Die Strategien und Taktiken des Internetgiganten

Posts from — Mai 2010

Google TV vs. Apple TV – Kampf um die TV-Plattform der Zukunft

Die Vorstellung von ‘Google TV’ war eines der Highlights auf der Google-Hauskonferenz Google I/O. Google zielt mit der TV-Plattform  in einen Markt, der sich bereits seit längerem entwickelt und Unternehmen wie Apple mit der TV- Box Apple TV oder die Deutsche Telekom mit T-Entertain unterwegs ist. TV-Plattformen dringen in einen viel versprechenden Markt ein, Möglichkeiten und Technologien aus dem Internet sollen dabei sinnvoll mit dem Fernseher verknüpft werden und ein neues Fernseherlebnis bieten. Schaut man sich Google TV und Apple TV genauer an, so kann man leicht festellen, dass es sich hierbei um zwei grundverschiedene Ansätze handelt, wie man dieses neue Geschäftsfeld erobern möchte.

Apple setzt mit Apple TV auf sein bewährtes Konzept eines geschlossenen Ökosystems. Die Settop-Box ist dabei im Grunde nur ein Interface zum bekannten iTunes-Store. Man kann sich Filme als Video-on-Demand herunterladen oder persönliche Medieninhalte managen. Das alles in einem Apple-typischen Design verpackt. Neben den strahlenden Produkten wie dem iPhone, dem MacBook, dem iPod oder neuerdings dem iPad fristet Apple TV ein Schattendasein und wird von nicht wenigen Experten als der einzige Apple-Flop der letzten Jahre bezeichnet – sogar zurecht!

Google verfolgt mit Google TV mal wieder einen grundsätzlich anderen Ansatz als Apple. Google TV ist im Kern eine Art Suchmaschine und Orientierungshilfe für Medieninhalte auf dem Fernseher. In Zentrum steht immer noch die Kernkomeptenz von Google, nämlich das Suchen und Finden relevanter Inhalte…in diesem Fall Medieninhalte. Google TV ist dabei noch mit verschiedenen Features angereichert, wie einem App Store oder der Möglichkeit über einen vollwertigen Browser (natürlich Chrome) über den Fernseher im Internet zu surfen.

Im Kern geht es neben den beiden unterschiedlichen Philosophien um ganz unterschiedlich Ziele, Apple möchte weiterhin eine wichtige Drehscheibe für die Distribution von Medieninhalten sein (und daran kräftig mitverdienen), Google hingegen möchte das Internet (und seine Vermarktungsmöglichkeiten) auf den Fernseher bringen. Dies ist ein wesentlicher und sehr entscheidender Unterschied. Google steht mit seiner Vermarktungsmaschinerie bereits Gewehr bei Fuß, um dieses neue Fernseherlebnis entsprechend gut zu vermarkten. Der Konzern arbeitet mit den ‘Google TV Ads‘ seit längerem an einer Expansion in den Bereich der Fernsehwerbung und experimentiert an neues Formen der Video-Werbung im Umfeld von YouTube, die beide sicherlich bei der Vermarktung von Google TV eine wesentliche Rolle spielen werden. Typisch für Google ist zundem, dass man Google TV quasi Huckepack als vorinstallierte Möglichkeit auf einem Intel-Chip basierend auf Android den TV-Geräteherstellern gleich mitliefern wird. Diese können ähnlich wie die Smartphone-Hersteller deutlich von Google TV profitieren und dadurch spekuliert Google auf eine schnelle Verbreitung von Google TV. Ein cleverer Schachzug! Apple dürfte durch Google TV unter Zugzwang geraten. Ein einfaches Upgrade von Apple TV dürfte dabei nicht ausreichen. Anders als im Smartphone-Markt hat Apple TV keine besondere Marktposition oder Bedeutung. Für Google dürfte es hier sehr viel leichter werden, sein Konzept im Markt durchzusetzen. Apple hat diesen Markt in den letzten Jahren im Grunde sträflich vernachlässigt, Fernsehender nächsten Generation ist halt mehr als nur Video-on-Demand in einer schicken Box verpackt. Die Chancen sind dabei sehr interessant und wahrscheinlich auch sehr lukrativ. Werbetreibende suche gerade für die audiovisueller Werbung nach neuen Möglichkeiten, eine große Reichweite mit den Vorteilen der Online-Werbung zu verbinden. Und hier ist Google weitaus besser positioniert als Apple. Während es im Smartphone-Markt zwischen Google und Apple eher unentschieden steht, dürften die Vorteile im TV-Markt klar bei Google liegen.

Mai 31, 2010   8 Comments

Google gründet eigenen “Trading Floor”, um seine riesige Kriegskasse besser zu managen

Die Kriegskasse ist mit über 26 Milliarden Dollar prall gefüllt. Nach Jahren, in denen Google eine Cash-Bestände und Aktiva eher passiv und sehr konservativ gemanaget hat, ist der Internetriese nun umgeschwenkt und baut seit ein paar Monaten ein Team im Treasury auf, welches die Bestände in der Kriegskasse (siehe Grafik unten) aktiv managen und optimieren soll. Wie die Business Week berichtet hat Google nun einen eigenen Trading Floor installiert, in dem die Investment Manager wie in einer Bank die Bestände anlegen und verlagern können. Experten schätzen, dass Google derzeit einen effektiven Zins von 2,5 Prozent für seine Anlagen generiert.

Verantwortlich für das Investment-Team is Brent Callinicos. Er war in dieser Funktion bereits für Microsoft tätigt und wechselte im Jahr 2007 zu Google als die Kriegskasse von rund 11 Milliarden Dollar umfasste. Seitdem ist das Investment-Team von 6 auf über 30 Personen angewachsen. Seit Januar hat Google gezielt nach Verstärkungen gesucht. Der Großteil dieses Teams verfügt über langjährige Erfahrungen bei führenden Banken und Investmenthäusern der Wall Street.

Google geht auch hier neue Wege. Man hat in den letzten Jahren eigene Systeme entwickelt, die nach Expertenmeinung deutlich besser seien als die meisten Cash-Management-Systeme für Unternehmen. So erfassen typische Systeme rund 60 bis 70 Prozent der Bestände in nahezu Echtzeit, bei Google soll dieser Wert bei 98 Prozent liegen. Das heißt Schmidt, Brin und Page könnten sich auf Knopfdruck die Kriegskasse des Konzerns ansehen. Google kann daher sehr schnell auf Entwicklungen reagieren. Die Strategie ist auch hier die besten Köpfe mit der besten Technologie zu verbinden.

Mai 28, 2010   11 Comments

Google generiert 54 Mrd. Dollar für die Volkswirtschaft in den USA – so zumindest die Eigen-PR

Derzeit haben sich viele Leute auf Google eingeschossen – Grund genug für den Internetriesen seinen Wertbetrag für die amerikanische Volkswirtschaft darzustellen. Im Konzern hat man sich die Frage gestellt, welchen volkswirtschaftlichen Wertbetrag Google für die amerikanischen Wirtschaft im Jahr 2009 geleistet hat. Auf die Antwort für diese Frage setzte man den hauseigenen Ökonomie-Professor Hal Varian und sein Team an. Die Antwort auf diese Frage lautet: 54 Milliarden Dollar.

Google schreibt sich dabei auf die Fahnen, dass man nicht nur direkte Umsätze aus Werbung erzielt hat, sondern für amerikanische Unternehmen einen so genannten “Search Click Value” erzielt hat (naja, sowas wie der Wert über die Google Suche gefunden zu werden). Dazu rechnet man dann noch Spenden aus dem Programm ‘Google Grants’. Ob dieser Wert nun tatsächlich stimmt oder nicht, sei dahingestellt. Die Public Relations-Abeteilung jedensfalls setzt das Thema umfassend in Szene, damit es auch jeder mitbekommt. Man hat ein entsprechendes Video (siehe unten) mit Hal Varian bei YouTube eingestellt. Dazu würde eine eigene Webseite namens ‘Google economic impact’ aufgesetzt (dort finden sich auch die Berechnungsformeln). UND man hat den Wertbeitrag in einer umfassenden Analyse für jeden einzelnen der amerikanischen Bundesstaaten berechnet. Wir sind gespannt, ob und wann uns Google mit einer solchen Berechnung für Europa und Deutschland beglückt.  Dann hätten wir wahrscheinlich den Beweis, dass ohne den Internetriesen die digitalen Wirtschaft nicht mehr als ein Schattendasein fristen würde…

PS: Ach ja, auf der Webseite hat man natürlich auch nicht vergessen einen Link auf AdWords und Ad Sense zu setzen, damit wir alle Google helfen können, den Wertbetrag für dieses Jahr noch zu steigern!

Mai 27, 2010   7 Comments

Überraschung aus Mountain View: Google gibt Einblick in AdSense-Umsatzbeteiligung

Jahrelang waren die meisten Experten der Meinung, dass die Umsatzverteilung bei Werbung über AdSense bei 80 zu 20 liegen würde. Der Grund: Diesen Anteil hat Google zu Beginn der Markteinführung von AdSense angegeben. Aus den jährlichen Geschäftsberichten, den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (siehe Anmerkung) von AdSense und den Reportings an die Werbepartner lassen sich keine Rückschlüße auf die genaue Verteilung der erzielten Umsätze ziehen. Nun hat Google den Schleier ein wenig gelüftet (hier ist das Posting) und gibt Zahlen bekannt, die vielen Werbepartnern nicht wirklich schmecken dürften.  Google behält nicht 20 %, sondern fast ein Drittel. Genauer gesagt 32 %. Dies gilt aber nur für die Umsätze aus ‘AdSense for Content’. Bei ‘AdSense for Search’ behält der Internetriese fast die Hälfte vom Umsatz, nämlich 49%.

Google begründet diesen relativ hohen Anteil mit den Entwicklungs- und Betriebskosten für AdSense. Naja, ein recht fadenscheiniges Argument, da auch die Wettbewerber von AdSense diese Kosten haben. Es scheint, als wäre selbst Google dieses Argument nicht ausreichend und legt gleich ein zweites Argument nach. Zwar haben die meisten Wettbewerber einen Revenue Share von 80:20, aber dafür behauptet Google, dass der absolute Umsatz für die Publisher mit AdSense deutlich höher ist als bei Wettbewerber und dass dadurch unter dem Strich für die Publisher mehr hängen bleibt. Naja, auch ein wenig fadenscheinig. Einerseits weil Google keine höheren Umsätze generiert und andererseits die meisten Publisher auch keine Vergleichsmöglichkeiten haben, da sie ausschließlich auf AdSense setzen. Unserer Meinung nach nutzt Google hier nur seine sehr dominante Marktposition aus, um für seine Dienste ein Premium abzuschöpfen…  

Wir setzen mit unserem Blog nicht auf AdSense, sondern auf Contaxe. Nicht weil wir etwas gegen AdSense haben oder Contaxe mehr Erlöse einbringt, sondern weil wir glauben, dass sich ein wenig mehr Wettbewerb in diesem Bereich durchaus lohnen dürfte. Wären die Marktverhältnisse andere und würde es stärkere Wettbewerber geben, könnte Google dieses Premium nicht so ohne weiteres durchsetzen – zumindest nicht in dieser Höhe.

Anmerkung: Grundsätzlich hat Google in den AGBs eine sehr merkwürdige Regelung. Man vereinbart mit den Publishern keine festen Umsatzbeteiligungen (so wie manche Wettbewerber), sondern Google behält sich das Rechte von die Umsatzbeteiligungen frei festzulegen. Seltsames Geschäftsgebahren, oder?

Mai 25, 2010   7 Comments

FTC macht Google den Weg zur AdMob-Übernahme frei

Nach monatelanger Verzögerung und einem zähen Ringen der Lobbyisten im Hintergrund werden Wettbewerbshüter der Federal Trade Commission (FTC) Google keine Steine für die Übernahme der auf Mobilfunk-Werbung spezialisierten Firma AdMob in den Weg legen. Die FTC teile am Freitag mit, gibt es zwar Bedenken am Zusammenschluss, aber Eintritt von Apple in diesen Markt habe dies überdeckt. Der Apple hatte Anfang des Jahres den AdMob-Rivalen Quattro Wireless geschluckt, nachdem sich Google Ende 2009 das Unternehmen, das Anzeigen auf Handys schaltet, für 750 Millionen Dollar geschnappt hatte. Nun da sich die beiden dynamisten Unternehmen im Smartphone-Markt im Bereich mobiler Werbung positioniert haben, dürfte der Kampf um den entsprechenden Anteil am Werbekuchen voll entbrennen.

Mai 22, 2010   4 Comments