Posts from — Juni 2010
Google triumphiert vor Gericht über Viacom
Viacom wollte vom YouTube-Eigner Google eine Millarde Dollar vor Gericht erstreiten, weil auf dem Videoportal ungenehmigte Clips des Medienriesen zu finden waren (Viacom betreibt unter anderem die Sender MTV, Comedy Central und Nickelodeon). Ein Richter wies die Forderung nun zurück und bestätigte damit die Positionen von Google in Bezug auf den Umgang mit urheberrechtlich geschützem Material. Das Gericht bescheinigte Google, dass man Urheberrechtsverletzungen nicht willentlich hinnehmen würde. Vielmehr komme die Google den jeweiligen Löschaufforderungen seitens der Medienindustrie stets nach. Das US-Urheberrecht sieht in einem solchen Fall keine Strafe vor und wies deshalb die Klage noch vor dem eigentlichen Verfahren ab.
Zudem warf der Richter Viacom vor, dass man Google absichtlich auflaufen lassen wollte. Viacom habe zunächst etliche Monate gewartet, bis über 100.000 seiner Videos auf YouTube durch die Nutzer eingestellt waren. Erst dann habe man eine Aufforderung über die Massenlöschung ausgestellt, um Google auflaufen zu lassen. Google habe umgehend (am nächsten Geschäftstag) alle Videos gelöscht und damit seine Verpflichtungen erfüllt. Viacom ist ein schlechter Verlierer und kündigte sogleich Berufung an.
Juni 24, 2010 4 Comments
Google greift mit ‘Google Voice’ die Telkos an
Nach mehr als einem Jahr der Entwicklung und anschließender Verbesserungen in einem geschlossenen Beta-Test hat Google nun in einem Blogeintrag angekündigt, seinen Telefonie-Management-Dienst ‘Google Voice’ (hier findet sich ein Video) allgemein zugänglich zu machen – derzeit allerdings nur für Nutzer aus den USA. Wann und ob Google Voice nach Europa und auch nach Deutschland kommen wird, steht noch nicht fest. Mit Google Voice verstärkt Google den Druck auf die Telekommunikationsunternehmen.
Das Interessante an dem Konzept von Google Voice ist die Entkopplung von Dienst und Betreiber. Google Voice setzt dabei auf einer Technologie auf, die Google durch die Übernahme von Grand Central im Jahr 2007 erhalten hat. Die Idee dahinter ist, eine Telefonnutzer alle notwendigen Funktionen und Features unabhängig von jeweiligen Telefonanbieter zur Verfügung stellen zu können. Rund um einem zentrale Nummer, sind eine ganze Reihe unterschiedlicher Dienste gruppiert. Dazu gehören hinänglich bekannte Funktionen wie eine Mailbox oder ein Kontaktmanagement, aber auch vollkommen neuer Dinge wie die Integration von Voicemails in Gmail oder einen Umwandlung einer Sprachnachricht als Text-Email. Google Voice funktioniert dabei als web-basierter Dienst. Nach dem Konzept braucht ein Nutzer notwendige Informationen wie Telefonnummern nicht mehr auf seinem Endgerät zu speichern, sondern kann alle Funktionen über sein Smartphone als Dienst nutzen. Eine Integration mit VoIP-Diensten ist dabei ein Basisfeature (wir berichteten darüber). Die Überlegungen bei Google gehen sogar noch weiter. Man besitzt zwei Patente, die es einem Smartphone möglich machen, sich jeweils den günstigen Anbieter pro Telefonat automatisch zu suchen.
Google verfügt mit Google Voice über ein breites Portfolio an relevanten Bausteinen und dürfte bei einer erfolgreichen Markteinführung zu einer echten Drohung für Telekommunikationsfirmen werden. Google besitzt mit dem Nexus One ein eigenes Smartphone, mit Android ein immer erfolgreicher werdendes Betriebssystem für Endgeräte, eine ganze Reihe von Anwendugen im Telefoniebereich wie GOOG-411 oder Google Talk. Ist an ein paar Telekommunikationsunternehmen der neue Generation beteiligt, usw… Allerdings hat man es immer vermieden, in das sehr kostenintensive Geschäft mit der Netzinfrastruktur für Endkunden einzutreten. Dies dürfte auch weiterhin keine Option sein. Google wird sich auf die Entwicklung von Mehrwertdiensten fokussieren und versuchen, vor allem das klassische Mobilfunk-Ökosystem weiter zu seinen Gunsten zu verändern. Bislang ist das dem Riesen aus Mountain View auch schon ganz gut gelungen.
Juni 23, 2010 6 Comments
Google Music nimmt konkrete Formen an
Google bereitet sich seit längerem auf den Einstieg in das Geschäft mit Online-Musik vor – dies ist kein Geheimnis. Was Google allerdingskonkret plant und wie der neue Dienst (wahrscheinlich) namens ‘Google Music’ konkret aussehen wird, darüber herrscht noch Unklarheit. Ein Bericht des Wall Street Journal dürfte die letztendliche Ausgestaltung ziemlich genau beschreiben. Noch in diesem Jahr soll ein Musik-Download-Dienst, der an die Suchmaschine gekoppelt ist, weltweit ausgerollt werden. Eine entsprechende Suchfunktion entwickelt und testet Google unter dem Namen ‘Discover Music’ bereits seit mehreren Monaten. Im Jahr 2011 soll auf der Musiksuche ein Abo-Modell folgen, mit dem Nutzer die gefundene Musik ähnlich wie im iTunes-Store herunterladen können. Soweit nichts Besonderes.
Das Interessante dürfte eine Verknüpfung zwischen dem Internet und dem Betriebsystem Android werden. Laut Informationen aus Musikverlagen verhandelt Google mit selbigen über einen solches Konzept und eine angemessene Beteiligung der Plattenfirmen. Zudem prüft man eine sehr enge Verknüpfung mit YouTube als wichtiger Distributionsplattform für Musikvideos. Googles Vorstoß ins Musikgeschäft dürfte von den Labels gerne gesehen werden. Diese sind derzeit unter der marktbeherrschenden Stellung in einer Position des Junior-Partners. Auf Apple entfallen ein Großteil der legalen Musikverkäufe über das Internet. Ein Wettbewerb dürfte hier die Rolle der Labels deutlich verbessern. Die Musikindustrie ist seit langem auf der Suche nach einem Gegengewicht zum wachsenden Einfluss Apples gesucht, aber Konkurrenten wie Amazon.com Inc. und Wal-Mart Stores Inc. bleiben weit zurück.
Die erste Phase von Google Music dürfte ein Web-Store sein, wo Nutzer Titel kaufen und herunterladen können. Es wird direkt in die Suchmaschine von Google eingebunden werden, so dass Nutzer mit Google.com nach einer bestimmten Gruppe oder Lied suchen können und denen dann ein Link für die Abwicklung angezeigt wird. Dieser Download-Store dürfte allerdings nur ein Zwischenschritt sein. Letztlich dürfte Google Music ein cloud-basierter Abo-Dienst sein, der kompatibel mit Android-Handys sein wird. Ein solcher cloud-basierter Service würde Abonnenten das Streamen von Musik direkt aus dem Internet auf ihr Handy ermöglichen, so dass Konsumenten die Musikdateien nicht auf ihren Geräten speichern müssen. Google bietet seit kurzem einen Web-basierten Music Store in seinem Android Market an.
Juni 22, 2010 17 Comments
Mit ‘Newspass’ will Google Verlage bei Paid Content unterstützen
Einem Bericht der italienischen Zeitung La Repubblica zufolge, wird Google Ende des Jahres eine Lösung für Verlage im Bereich Paid Content einführen. Verlage sollen ihre Bezahlinahlte über ein Micro Payment-Konzept auf der Grundlage von ‘Google Checkout’ monetarisieren können. Spekuliert wird über eine derartigen Dienst bereits seit Mitte 2009. Sollte ein solcher Dienst tatsächlich kommen – wovon auszugehen ist -, dann ist dies ein weiterer Baustein, um die Spannungen zwischen Google und der Verlagsindustrie weltweit weiter zu entspannen. Google selbst sieht sich grundsätzlich als Partner der Verlage, ist aber auch vom seblen Kuchen. Kürzlich hatte Google unter dem Namen “Editor’s Picks” eine Möglichkeit in Google angekündigt (Bericht auf SPON), dass Redaktionen (derzeit nur 12 Auserwählte) bestimmte Themen und Artikel prominent platzieren können. Google versucht durch diese und anderen Maßnahme, (z.B. Living Stories oder Fast Flip) die harte Konfrontation der Verlage abzumildern oder sich langfristig als deren strategischer Partner zu positionieren. ‘Google News’ ist für Google ein wichtiger Dienst, der viel Traffic und Nutzerbindung bringt. Daher ist hier eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten von Nöten.
Juni 18, 2010 1 Comment
Google ist ab sofort auf Drogen – Caffeine ist live
Koffein gehört zu den psychoaktiven Drogen. Koffein ist der anregend wirkende Bestandteil von Genussmitteln wie Kaffee, Tee, Cola oder Energy-Drinks. Sei neuestem ist Google auch auf Koffein oder besser Caffeine. Google hat seinen neuen Suchindex namens Caffeine fertiggestellt (siehe Blogbeitrag), der bereits der Mitte vorigen Jahres angekündigt wurde. An der Bedienoberfläche erkennt dazu nichts, aber unter der Haube hat sich recht viel getan. Immerhin ist der Suchindex einer der wichtigsten Bausteine einer Suchmaschine.
Mit Caffeine will der Suchriese um 50 Prozent aktuellere (nicht schnellere!) Ergebnisse als bisher liefern. Dazu durchsucht der Crawler das Web in kleineren Portionen und aktualisiert den Suchindex schneller. Dadurch wird es laut Google möglich, Hunderttausende von Seiten parallel zu indexieren. Hunderttausende Gigabytes an Daten werden dadurch täglich verarbeitet. Insgesamt umfasst der Caffeine-Suchindex etwa 100 Millionen Gigabyte und das entspricht in etwa der Größenordnung des bisherigen Index. Caffeine eröffne aber die Möglichkeit in Zukunft, einen wesentlich größeren Index aufzubauen. Zudem ist Google von nun an in der Lage mehr Metainformationen über Dokumente speichern, was letztlich zu besseren Resultaten führen dürfte. Ob und wie diese Neuerung nun zu beurteilen sein wird, kann man derzeit nocht nicht sagen. Der Trend zu immer aktuelleren Informationen gibt es ja bereits durch die Echtzeitsuche (z.B. Twitter-Integration) schon länger, aber ob man als Nutzer wahrnehmbare veränderungen mitbekommt, bleibt abzuwarten.
Juni 9, 2010 2 Comments








