Die Strategien und Taktiken des Internetgiganten

Googles rosige Vision vom allumfassenden Cloud Computing

Google-Chef Eric Schmidt bezeichnete unlängst das Cloud Computing als das Herz der Strategie des Konzerns für das Jahr 2010. Cloud Computing sei ein neues und mächtiges Modell, auf das sich die Unternehmen vermehrt fokussieren werden, ist sich Schmidt sicher. Viele der großen Internet- und Technologieunternehmen – hier allen voran Amazon – haben sich mit ihren Angeboten positioniert, wie auch Google. Derzeit bietet der Konzern verschiedene Angebote, die man dem Cloud Computing zurechnen kann. Mit der App Engine, Google Docs, Google Wave, dem Browser Chrome und demnächst Chrome OS versucht Google, sich möglichst breit aufzustellen, um nicht ganz überraschend von einem kleinen Startup überrumpelt zu werden oder von einem Großen abgehängt zu werden.

Aber was meint Eric Schmidt eigentlich konkret, wenn den vom Cloud Computing aus der Sicht von Google spricht. Im Wesentlichen dreht sich die Philosophie des Cloud Computing gemäß Google um vier Eigenschaften: Omnipräsenz, Modularität, Information und Zusammenarbeit. In unserem Buch „Die Google-Ökonomie – Wie der Gigant das Internet beherrschen will“ haben wir dies näher analysiert. Hier der entsprechende Textauszug:

Erste Eigenschaft: Cloud Computing ist omnipräsent – Je mehr unterschiedliche Geräte wir nutzen, umso schwieriger ist es, Herr der Daten zu bleiben, die sich auf ihnen befinden. Im Fall des Cloud Computing löst sich das Problem, für synchrone und jederzeit verfügbare Informationen zu sorgen, in Luft auf: Endgeräte sind nur noch Clients, die auf im Netz gespeicherte Daten zugreifen. Während der Nutzer jeweils unterschiedliche Geräte bedient, nutzt er letztlich immer nur den einen, omnipräsenten Computer in der Wolke. Immer mehr Geräte, Produkte, Objekte und Oberflächen des Alltags sind beim Cloud Computing mit Prozessoren und Verbindungsmöglichkeiten ausgestattet – vom Smartphone über den Laptop, bis hin zum Bordcomputer des eigenen Autos. Ein alles überspannender Computer wird dadurch geradezu ein Ding der Notwendigkeit.

Die zweite Eigenschaft: Cloud Computing ist modular – Die Anwendung auf dem Desktop lebt in Isolation, ist blind für ihre Außenwelt und umgekehrt für diese unsichtbar. Demgegenüber stehen in der Cloud Anwendungen prinzipiell jederzeit als Komponenten für andere Anwendungen zur Verfügung. Sie sind Ressourcen, die sich modular kombinieren lassen. Die Cloud ist ein Netz der Dienste, die sich wie Legosteine zusammenstecken lassen – darin liegt ein großer Teil der Magie, die von ihr ausgeht. Dem entspricht ein neues Verhältnis zur Leistung der Informationstechnologie. Sie muss nicht mehr aufgebaut, sondern nur noch abgerufen werden, ist also aus Nutzersicht schlichtweg vorhanden und lediglich individuell zu konfigurieren. Hal Varian der Chefökonom von Google bezeichnet diesen Ansatz als Combinatorial Innovation: „The great thing about the current period is that component parts are all bits. That means you never run out of them. You can reproduce them, you can duplicate them, you can spread them around the world, and you can have thousands and tens of thousands of innovators combining or recombining the same component parts to create new innovation.”

Die dritte Eigenschaft: Cloud Computing ist Information – Der Nutzer nähert sich den Angeboten in der Cloud in Zukunft nicht mehr nur in Form eines Abrufs von Informationen, sondern indem er ihr komplexe Aufgaben stellt. Die immense Rechenpower, auf die jeder Einzelne zugreifen kann, will ja eingesetzt werden. Um diese Aufgaben lösen zu können, braucht die Cloud noch mehr Informationen als bisher – sie wird zu einer Art Daten sammelnder Krake. Während sich der PC aus aktiven Eingaben des Nutzers speist, verarbeitet der Computer in der Wolke zum Beispiel auch Verhaltensäußerungen und die Position von Gegenständen und Personen im Raum. Interessant ist dabei natürlich nicht das einzelne Ereignis, sondern das Erkennen von Mustern in großen Datenbeständen.

Die vierte Eigenschaft: Cloud Computing ist Zusammenarbeit – Da die Wolke von allen Nutzern geteilt werden kann, ist der Raum der Anwendungen, den Cloud Computing aufspannt, per Definition ein sozialer Raum. Dem Personal Computer ist dagegen schon durch seinen Namen die Nutzung durch einen Einzelnen zugeschrieben. Damit ist beispielsweise eine notorische Schwachstelle des bisherigen Einsatzes von Informationstechnologie im Büro angesprochen: die Kollaboration. Die gemeinsame Arbeit an Dokumenten gerät schnell zur E-Mail-Schlacht. Gegen den Willen der Beteiligten neigt die Versionsgeschichte von gemeinsam erstellten Texten und Präsentationen zudem zum unerwarteten Verzweigen, weil zwei Nutzer der Meinung sind, sie bearbeiteten nun das Master-Dokument. Im Cloud Computing dagegen ist Gruppenarbeit der Normalfall. Weiterhin wird es möglich sein, sich in einen privaten Raum zurückzuziehen; dieser lässt sich jedoch jederzeit mit einem Klick für andere Teilnehmer öffnen.

Mal sehen, was von der Vision künftig Realität werden wird! Was denkt ihr? Ist das Cloud Computing nur Marketing oder sieht so die Zukunft aus?

5 comments

1 Google-Ökonomie.de { 12.20.09 at 09:42 }

New!: Googles rosige Vision vom allumfassenden Cloud Computing http://bit.ly/8EVgg7

2 Alexander Orlov { 12.20.09 at 16:42 }

On-Demand-Computing wird durch die Nutzung der Cloud erst richtig interessant und kosteneffizient. Und durch die Skalierbarkeit der Rechenressourcen kann ein Startup so — eine clevere Geschäftsidee vorausgesetzt — schnell zum Global Player werden.

3 Alexander Orlov { 12.20.09 at 16:47 }

RT @googleoekonomie: New!: Googles rosige Vision vom allumfassenden Cloud Computing http://bit.ly/8EVgg7

4 Ralf Kaumanns { 12.21.09 at 10:44 }

Es ist aber problematisch, wenn wie im Falle von Google die Cloud so konzipiert ist, dass es sich um proprietäre Technologien handelt, die es einem Nutzer extrem schwer machen, zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

5 Die Trends 2010 | TechBanger.de { 01.16.10 at 05:41 }

[...] Computer und dessen individuelle Leistungsfähigkeit in den Hintergrund rücken, weil immer mehr online passiert, erleben wir bereits; Rechenkapazität, Speicherplatz und Anwendungen werden mehr und mehr [...]

Leave a Comment