Die Strategien und Taktiken des Internetgiganten

Google greift mit ‘Google Voice’ die Telkos an

Nach mehr als einem Jahr der Entwicklung und anschließender Verbesserungen in einem geschlossenen Beta-Test hat Google nun in einem Blogeintrag angekündigt, seinen Telefonie-Management-Dienst ‘Google Voice’ (hier findet sich ein Video) allgemein zugänglich zu machen – derzeit allerdings nur für Nutzer aus den USA. Wann und ob Google Voice nach Europa und auch nach Deutschland kommen wird, steht noch nicht fest. Mit Google Voice verstärkt Google den Druck auf die Telekommunikationsunternehmen.

Das Interessante an dem Konzept von Google Voice ist die Entkopplung von Dienst und Betreiber. Google Voice setzt dabei auf einer Technologie auf, die Google durch die Übernahme von Grand Central im Jahr 2007 erhalten hat. Die Idee dahinter ist, eine Telefonnutzer alle notwendigen Funktionen und Features unabhängig von jeweiligen Telefonanbieter zur Verfügung stellen zu können. Rund um einem zentrale Nummer, sind eine ganze Reihe unterschiedlicher Dienste gruppiert. Dazu gehören hinänglich bekannte Funktionen wie eine Mailbox oder ein Kontaktmanagement, aber auch vollkommen neuer Dinge wie die Integration von Voicemails in Gmail oder einen Umwandlung einer Sprachnachricht als Text-Email. Google Voice funktioniert dabei als web-basierter Dienst. Nach dem Konzept braucht ein Nutzer notwendige Informationen wie Telefonnummern nicht mehr auf seinem Endgerät zu speichern, sondern kann alle Funktionen über sein Smartphone als Dienst nutzen. Eine Integration mit VoIP-Diensten ist dabei ein Basisfeature (wir berichteten darüber). Die Überlegungen bei Google gehen sogar noch weiter. Man besitzt zwei Patente, die es einem Smartphone möglich machen, sich jeweils den günstigen Anbieter pro Telefonat automatisch zu suchen.

Google verfügt mit Google Voice über ein breites Portfolio an relevanten Bausteinen und dürfte bei einer erfolgreichen Markteinführung zu einer echten Drohung für Telekommunikationsfirmen werden. Google besitzt mit dem Nexus One ein eigenes Smartphone, mit Android ein immer erfolgreicher werdendes Betriebssystem für Endgeräte, eine ganze Reihe von Anwendugen im Telefoniebereich wie GOOG-411 oder Google Talk. Ist an ein paar Telekommunikationsunternehmen der neue Generation beteiligt, usw… Allerdings hat man es immer vermieden, in das sehr kostenintensive Geschäft mit der Netzinfrastruktur für Endkunden einzutreten. Dies dürfte auch weiterhin keine Option sein. Google wird sich auf die Entwicklung von Mehrwertdiensten fokussieren und versuchen, vor allem das klassische Mobilfunk-Ökosystem weiter zu seinen Gunsten zu verändern. Bislang ist das dem Riesen aus Mountain View auch schon ganz gut gelungen.

Juni 23, 2010   6 Comments

Google bietet 68 Mil. Dollar für ‘Global IP Solutions’

Google steht kurz vor der Übernahme von Global IP Solutions, welches Lösungen rund um die Distribution von Sprache und Video über IP-Netze anbietet. Eine Ankündigung wurde von Google verbreitet. Das Hauptprodukt ist eine Lösung mit der sich innerhalb einer Video-Konferenz die unterschiedlichen Netzqualitäten und Bandbreiten ausgleichen lassen. So kann jeder Nutzer, egal ob an einer 100 Mbps-Leitung oder über ein Smartphone, ohne Schwierigkeiten an einem Video-Chat teilnehmen und die unterschiedlichen Bandbreiten stören die Konferenz nicht. Das Technologieunternehmen hat seinen Sitz in San Francisco. Kunde sind unter anderem Samsung, Nortel, AOL oder Yahoo. Yahoo beispielsweise nutzt die Technologie für die Video-Chat-Funktion im Yahoo Messenger.

Eine Übernahme würde gut in die Strategie von Google passen. Im letzten Monat hat Global IP Solutions eine Lösung präsentiert, mit der Entwickler Videos und Video-Chat-Funktionen in ihre Android Apps integrieren können. Es wäre nach Gizmo5 die zweite “VoIP-Übernahme” und zeigt dass Google den klaren Kurs verfolgt, umfassende Dienstleistungen rund um Kommunikationslösungen - mit Google Voice im Zentrum - aufzubauen.

Der Preis, den Google bereit ist zu zahlen, wäre ein Premium von 142 Prozent gegenüber dem durchschnittlichen Börsenwert von Global IP Solutions im Januar, als das Unternehmen das Übernahmeinteresse durch einen strategischen Investor bekannt gegeben hat. Es wäre für Google erst die zweite Übernahme eines Börsen-notierten Unternehmens. Bei der ersten, der Übernahme von On 2 Technolgies, hat es massive Widerstände durch einen Teil der Aktionäre gegeben, so dass der Internetriese den Übernahmepreis deutlich erhöhen musste. Typischerweise scheut Google aus diesem Grund die Übernahme börsennotieterter Unternehmen und es zeigt, welche Bedeutung die Technologie von Global IP Solutions in den Strategien von Google hat.

Mai 18, 2010   5 Comments

Welchen Grund hat die WLAN-Erfassung durch Google?

In den letzten Tagen hat Google mal wieder eine volle Breitseite von Medien, Datenschützern und der Politik abbekommen – und das auch zu Recht. Diesmal ging es um die Erfassung privater WLAN-Netze, welche praktischerweise gleich durch die Kamerafahrzeuge des Internetriesen für den Panoramabilder-Dienst “Google Street View” miterfasst wurden. Aufgrund des vehementen Drucks und der öffentlichen Meinung hat Google nun die Kamerafahrzeuge gestoppt und wird die Erfassungssoftware (die auch die Standort-Daten) erfasst ändern. Der Chef-Justitiar von Google, Alan Eustace, sprach von einem “Programmierfehler”.

Uns ist allerdings schleierhaft, warum es sich um eine Programmierfehler handeln sollte, wenn man WLAN-Netze erfasst. Die 360°-Aufnahmen, okay! Die dazu gehörigen Standortinformationen (z.B. GPS-Daten), auch okay? Aber die Erfassung von WLAN-Netzen für Google Street View macht keinen logischen Sinn. In der Diskussion fällt auf, dass sich zwar alle über das Vorgehen von Google aufregen – und das zu Recht. ABER niemand stellt mal die Frage, warum Google diese WLAN-Daten überhaupt erfasst?

Hier ist nun unsere Erklärung: Die derzeitige Achilles-Ferse in Googles Geschäftsmodell ist die Netzneutralität. Heute werden alle Datenpakete eines Diensteanbieters gleich behandelt. Die Kommunikationsnetze der neue Generation können die Datenpakete allerdings ungleich behandeln. Aus dieser Ungleichbehandlung könnten Telekommunikationsnetz- betreiber neue Geschäftmodell entwickeln, die auf der Schnelligkeit und Qualität der Datenübertragung aufbauen. Dies ist eine potenzielle Gefahr für Google, da man entweder mit signifkant steigende Kosten oder einer spürbare abnehmenden Qualität der Google-Dienste konfrontiert werden würde.

Google verfolgt unserer Meinung nach seit Jahren eine dezidierte Konterstrategie gegenüber den Netzbetreibern und rüstet sich im Falle der Aufweichung der Netzneutralität Alternativen zu haben (vgl. eine ausführliche Analyse und Argumentation finden Sie in unserem Buch “Die Google-Ökonomie”). Welche Rolle haben dabei die privaten WLAN-Netze? Eigentlich ganz einfach. Google ist als Investor maßgeblich an einem Unternehmen namens FON Technology beteiligt, welches auch in Deutschland aktiv ist. FON hat einen Dienst entwickelt, mit dem private WLAN-Nutzer ihr WLAN mit anderen Nutzer teilen und wiederum die WLANs anderer Nutzer nutzen können – beispielsweise auf Reisen.

FON ist ein wichtiger Baustein in der Strategie von Google alternative Netzbetreiber zu fördern, um die Macht und den Einfluß der Netzriesen zu brechen. Die nun von Google erfassten WLAN-Daten wären für ein Unternehmen wie FON sehr nützlich. Man könnte beispielsweise abgleichen, wo man im eigenen Dienst Lücken oder Schwachstellen hat und in den betreffenden Haushalten gezielt Werbung platzieren, um die Besitzer der WLANs zu mitmachen bei FON zu bewegen. Google würde wahrscheinlich nicht die Privatdaten herausgeben, aber eine Straße und Hausnummer dürfte für ein passendes Mailing schon sehr hilfreich sein.

Zugegebenermaßen sind diese Schlußfolgerungen spekulativ. Aber bis Google nicht den wahren Grund über die WLAN-Erfassung mitteilt und nur von einem “Programmierfehler” spricht, sind diese Art Überlegungen durchaus legitim.

Mai 16, 2010   10 Comments

Google baut ultraschnelles Fiberglas-Netzwerk – direkte Konkurrenz zu Netzbetreibern

Google hat heute in seinem offiziellen Blog angekündigt, ein eigenes ultraschnelles Fiberglasnetzwerk in den USA errichten zu wollen – zunächst aus Experimentiergründen. In ausgewählten Testregionen soll dieses Netzwerk errichtet werden und 100 Mal schneller sein, als die bisherigen Internetverbindungen der meisten Amerikaner. Das Netz soll zwischen 50.000 und 500.000 Personen einen Internetzugang zu einem Wettbewerbsfähigen Preis liefern. …mehr

Februar 10, 2010   3 Comments

Software-Update: Nexus One erhält Multitouch

Das Google Nexus One bekommt derzeit ein automatisches Software-Update. Das Nexus One erhält dadurch eine Multitouch-Funktion. …mehr

Februar 3, 2010   2 Comments