Die Strategien und Taktiken des Internetgiganten

Semantische Suche: Google übernimmt Metaweb

Google übernimmt das kleine Technologie-Unternehmen Metaweb. Ein Übernahmepreis wurde nicht genannt, könnte aber angesichts von fast 60 Millionen Dollar Venture-Kapital, das in Metaweb investiert wurde, im dreistelligen Millionenbereich liegen. Metaweb betreibt die semantische Datenbank Freebase, deren Ziel es ist, das Wissen der Welt in geordneter und strukturierter Form zu sammeln. Dies ist eine der Grundlagen der semantischen Suche im Internet. Dabei geht es darum, den inhaltlichen Kontext einer Frage zu verstehen und dadurch Mehrdeutigkeiten zu eliminieren.

Bei Freebase geht es um eine Sammlung von Listen, Referenzen, Datensätzen und Ontologien. Freebase ist sowas wie ein Wikipedia für Suchmaschinen. Google will das Wissen und die Fäühigkeiten von Metaweb dafür nutzen, die Inhalte auf Milliarden und aber Milliarden erfasster Webseiten besser zu verstehen und die Suchergebnisse entsprechend zu verfeinern. Freebase soll weiterhin als offene Datenbank existieren, an deren Ausbau jeder partizipieren kann.

Guter und ausführlicher Beitrag auf netzwertig.com.

Juli 18, 2010   12 Comments

Google ist ab sofort auf Drogen – Caffeine ist live

Koffein gehört zu den psychoaktiven Drogen. Koffein ist der anregend wirkende Bestandteil von Genussmitteln wie Kaffee, Tee, Cola oder Energy-Drinks. Sei neuestem ist Google auch auf Koffein oder besser Caffeine. Google hat seinen neuen Suchindex namens Caffeine fertiggestellt (siehe Blogbeitrag), der bereits der Mitte vorigen Jahres angekündigt wurde. An der Bedienoberfläche erkennt dazu nichts, aber unter der Haube hat sich recht viel getan. Immerhin ist der Suchindex einer der wichtigsten Bausteine einer Suchmaschine. 

Mit Caffeine will der Suchriese um 50 Prozent aktuellere (nicht schnellere!) Ergebnisse als bisher liefern. Dazu durchsucht der Crawler das Web in kleineren Portionen und aktualisiert den Suchindex schneller. Dadurch wird es laut Google möglich, Hunderttausende von Seiten parallel zu indexieren. Hunderttausende Gigabytes an Daten werden dadurch täglich verarbeitet. Insgesamt umfasst der Caffeine-Suchindex etwa 100 Millionen Gigabyte und das entspricht in etwa der Größenordnung des bisherigen Index. Caffeine eröffne aber die Möglichkeit in Zukunft, einen wesentlich größeren Index aufzubauen. Zudem ist Google von nun an in der Lage mehr Metainformationen über Dokumente speichern, was letztlich zu besseren Resultaten führen dürfte.  Ob und wie diese Neuerung nun zu beurteilen sein wird, kann man derzeit nocht nicht sagen. Der Trend zu immer aktuelleren Informationen gibt es ja bereits durch die Echtzeitsuche (z.B. Twitter-Integration) schon länger, aber ob man als Nutzer wahrnehmbare veränderungen mitbekommt, bleibt abzuwarten.

Juni 9, 2010   2 Comments

Google eröffnet Kampf um den künftigen Video-Standard – gegen Apple und Microsoft

Kürzlich ging die Meldung durch die Presse, dass täglich rund 2 Milliarden Videos über YouTube angerufen werden. Klar, dass Google ein großes Interesse an der Ausgestaltung künftiger Standards und Technologien bei den Videoformaten hat. Auf der hauseigenen Entwickler-Konferenz Google I/O ist man nun in die Offensive im Kampf um den künftigen Standards bei den Video-Formaten gegangen und positioniert sich gegen Apple und Microsoft.

Google hat ein lizenzfreies Open-Source-Videoformat namens WebM vorgestellt. WebM ist nach Angeben von Google ein Containerformat, das Audio und Video enthält, wobei Video mit dem VP8-Codec und Audio mit dem Vorbis-Codec komprimiert wird. WebM soll künftig ein hochwertiges, offenes Videoformat für das Internet sein, das für jeden frei erhältlich ist. Google hat mit YouTube sowie mit seinem eigenen Browser Chrome und den Browseranbietern Mozilla (Firefox) und Opera die Weichen für eine möglichst rasche Verbreitung von WebM gestellt. So werden automatisch alle nach dem 19. Mai 2010 herauf geladenen Youtube-Videos in einer 720p-Qualität oder besser im WebM-Format kodiert. Neben der Ankündigung Googles, WebM auf der eigenen Videoplattform YouTube einzusetzen, hat auch Adobe versprochen, WebM in Flash zu integrieren – vermutlich sieht man sich unter Zugzwang, da Flash sonst mittel- oder langfristig der Rang durch HTML5-Anwendungen abgelaufen werden könnte.

Google ist damit um das Ringen um den künftigen Video-Standard in die Offensive gegangen. Die Technologie für WebM hat Google durch die Übernahme von On2 Technologies erhalten (für rund 150 Millionen Dollar).  WebM steht in direkter Konkurrenz zu H.264. Dies wiederum ist der Codec, der hinter Adobes Flash Player steht, der derzeit für die Wiedergabe der meisten Web Videos verwendet wird. Während Apple und Microsoft – auch weil sie Lizenzgebühren dafür bekommen – H.264 favorisieren, puschen Opera und Mozilla  den Open-Source-Codec Ogg Theora ein, der auf einem VP8-Vorläufer basiert.

Der Schlüssel für den Erfolg von WebM liegt in der künftigen Hardwareunterstützung für VP8. Wenn Google die richtigen Partnerschaften und Vereinbarungen mit Prozessor-Herstellern eingeht, dann könnte VP8 den bisherigen H.264-Standard verdrängen. Ohne Hardwarebeschleunigung ist WebM keine Gefahr für H.264. Der entscheidende Vorteil von H.264 ist die Hardware-Unterstützung. Bestimmte Prozessoren können solche Videos ohne Umweg über ein Programm dekodieren, das ist viel schneller und spart eine Menge Strom. WebM wäre damit eine echte Alternative zum lizenbelasteten H.264 und zu Ogg Theora, das viele Hersteller wegen versteckter, möglicher U-Boot-Patente ablehnen.

Mai 20, 2010   5 Comments

Google Ventures lüftet Investment-Portfolio

Etwas mehr als ein Jahr nach Gründung des Risikokapitalarms “Google Ventures” zeigt Google eine neue Webseite mit mehr Informationen – vor allem in Bezug auf die investierten Unternehmen. Google Ventures wurde mit rund 100 Millionen Dollar Wagniskapital ausgestattet, um frühzeitig in interessante Unternehmen investieren zu können. Die Liste auf der nun veröffentlichten Webseite ist länger als bisher bekannt. In den letzten zwölf Monaten waren bereits einige Investments von Google Ventures durchgesickert wie Adimab, English Central oder SCVNGR (wir berichteten darüber). Die Investments in Open Candy, Recorded Future und V-Vehicle waren bislang nicht bekannt.

Besonders die Investments in Open Candy und Recorded Future scheinen interessant zu sein. Open Candy ist sehr nah am Geschäftsfeld Werbung von Google. Opencandy bietet Software-Entwicklern die Möglichkeit, dynamisch Programme von Drittanbietern in die eigene Installationssoftware zu integrieren. Open Candy will Programmierern mit einer Google-Adsense-ähnlichen Plattform für Software-Downloads dabei helfen, neue Einnahmequellen durch die Platzierung passender Werbung zu erschließen. Recorded Future arbeitet an einem Dienst, der analysieren kann, wann und wo eine Information zum ersten Mal im Internet auftauchte und wie sie sich verbreitete. Es geht dabei aber weniger um den Rückblick, sondern vielmehr um die Vorhersage bzw. Abschätzung auf künftige Entwicklungen zu schließen (ein umfassender Bericht über Recorded Future findet sich hier).

Mai 4, 2010   5 Comments

Google Street View kommt mit umfassendem Widerspruchsrecht nach Deutschland

Im Streit über den Datenschutz bei Google Street View hat Google als Bedingung für die Akzeptanz durch die deutschen Behörden nun ein umfassendes Widerspruchsrecht zugesagt. Google Street View soll erst starten, wenn alle Einsprüche gegen die Panoramabilder von Straßen und Häusern berücksichtigt worden sind. Google ist sogar bereit, Sammelwidersprüche zu akzeptieren. Hört! Hört! Google redet die Vereinbarung mit dem Bundesverbraucherministerium klein und erklärte lediglich, es handelt sich im wesentlichen um Zusagen, die man bereits im Juni 2009 mit dem zuständigen Hamburger Datenschutzbeauftragten gemacht habe. Neu sei lediglich der Sammelwiderspruch. Wie das gehen soll, ist noch unklar, aber es soll einfaches Verfahren entwickelt werden.

Es hat den Anschein, als spekuliert Google wie bei Datenschutz und Einstellungen zur Privatsphäre mal wieder auf die ”Trägheit der Masse” – also darauf, dass sich nur sehr wenige Leute bei Google melden, um ihre Häuser und Grundstücke unkenntlich machen zu lassen. Dies ist ein typisches Vorgehen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich nur wenige Bürger in Anspruch nehmen. Google Street View hat bereits mächtig Staub aufgewirbelt und der Deutsche ist sensibel, was seinen Vorgarten, sein Haus und sein Auto vor der Garage angeht… ;-)

Mai 1, 2010   3 Comments