Die Strategien und Taktiken des Internetgiganten

Google gründet eigenen “Trading Floor”, um seine riesige Kriegskasse besser zu managen

Die Kriegskasse ist mit über 26 Milliarden Dollar prall gefüllt. Nach Jahren, in denen Google eine Cash-Bestände und Aktiva eher passiv und sehr konservativ gemanaget hat, ist der Internetriese nun umgeschwenkt und baut seit ein paar Monaten ein Team im Treasury auf, welches die Bestände in der Kriegskasse (siehe Grafik unten) aktiv managen und optimieren soll. Wie die Business Week berichtet hat Google nun einen eigenen Trading Floor installiert, in dem die Investment Manager wie in einer Bank die Bestände anlegen und verlagern können. Experten schätzen, dass Google derzeit einen effektiven Zins von 2,5 Prozent für seine Anlagen generiert.

Verantwortlich für das Investment-Team is Brent Callinicos. Er war in dieser Funktion bereits für Microsoft tätigt und wechselte im Jahr 2007 zu Google als die Kriegskasse von rund 11 Milliarden Dollar umfasste. Seitdem ist das Investment-Team von 6 auf über 30 Personen angewachsen. Seit Januar hat Google gezielt nach Verstärkungen gesucht. Der Großteil dieses Teams verfügt über langjährige Erfahrungen bei führenden Banken und Investmenthäusern der Wall Street.

Google geht auch hier neue Wege. Man hat in den letzten Jahren eigene Systeme entwickelt, die nach Expertenmeinung deutlich besser seien als die meisten Cash-Management-Systeme für Unternehmen. So erfassen typische Systeme rund 60 bis 70 Prozent der Bestände in nahezu Echtzeit, bei Google soll dieser Wert bei 98 Prozent liegen. Das heißt Schmidt, Brin und Page könnten sich auf Knopfdruck die Kriegskasse des Konzerns ansehen. Google kann daher sehr schnell auf Entwicklungen reagieren. Die Strategie ist auch hier die besten Köpfe mit der besten Technologie zu verbinden.

Mai 28, 2010   11 Comments

83.334 oder die Mär vom “1 Dollar Gehalt”

Jedes Jahr wird von der Presse fast hochachtungsvoll vom bescheidenen “1 Dollar Gehalt” berichtet, welches das Google-Triumvirat Page, Brin und Schmidt als Jahresgehalt bekommt. Uns sind in letzter Zeit verschiedene, mitteilungspflichtige ”Director Dealing’s” aufgefallen, die man versteckte Gehaltszahlungen an das Top-Management interpretieren könnte – und dabei handelt es sich um fast irrwitzige Summen. Aber der Reihe nach…

Seit Januar ist bekannt, dass sich Page und Brin von Class-B-Aktien (mit zehnfachem Stimmrecht) im Wert von 5,5 Milliarden Dollar trennen wollen. Soweit so gut. Neben diese Aktien haben Brin und Page Anfang April und Anfang Februar jeweils 83.334 Class-A-Aktien über ein Optionsprogramm zu einem Preis von 0 (Null) Dollar kaufen können. Diese Aktien mit einfachem Stimmrecht würde sodann zügig über die Börse versilbert. Der Wert der Verkäufe im Februar lag bei 44 Millionen Dollar  – wir berichteten darüber. Anfang April bekamen Brin und Page wiederum diegleiche Anzahl von 83.334 Aktien zum Preis von 0 Dollar angeboten und diese wurden wiederum in mehreren Tranchen über die Börse zu einem Erlös von rund 45 Millionen Dollar verkauft – dies geht aus einer Pflichtmitteilung der amerikanischen Börsenaufsicht SEC hervor.

Es nicht ganz klar, in welchem Turnus Page und Brin diese Class-A-Aktien für 0 Dollar kaufen können. Bleibt es bei dem bisherigen zwei Monats-Rythmus, dann dürfte Brin und Page dieses Jahr jeweils 500.000 Aktien “erwerben” – bei einem Kursmittel von 560 Dollar wären dies 280.000.000 Dollar (ohne die 5,5 Milliarden aus ihren Firmenanteilen). Wer da noch ernsthaft über ein “1 Dollar Jahresgehalt” jubelt, sollte mal genauer hinschauen…

 

April 9, 2010   6 Comments

Pro-Kopf-Umsatz bei Google dreimal so hoch wie bei Yahoo

Die Stärke des Google’schen Geschäftsmodells zeigt sich in den immer steigenden Umsätzen und sprudelnden Gewinnen. Um diese Zahlen in eine Relation zu setzen ist ein Vergleich mit den wichtigsten Wettbewerber interessant. Als Kennzahl dient der Pro-Kopf-Umsatz pro festangestelltem Mitarbeiter. Hier liegt Google in einem Verhältnis von 3:1 vor Yahoo. Im vierten Quartal 2009 lag der Umsatz eines Googlers bei 336.000,- Dollar, der Pro-Kopf-Umsatz eines Yahoo-Mitarbeiters hingegen nur bei 124.000 Dollar. Der Abstand in dieser Kennzahl war in den letzten Jahren immer schon recht groß zwischen den beiden, aber im zweiten Halbjahr 2009 hat sich der Abstand nochmals deutlich vergrößert. Ein guter Hinweis wie gut Google durch die Wirtschaftskrise gekommen ist (vgl. Grafik).

März 4, 2010   6 Comments

Google holt Top-Managerin von eBay als ‘VP of Commerce’

Google scheint das Thema E-Commerce künftig stärker zu forcieren als bisher. Dazu hat der Konzern die Position eines Vice President of Commerce geschaffen – und zugleich besetzt. Mit Stephanie Tilenius wurde eine erfahrende Managerin vom Rivalen eBay abgeworben. Als Head of Global Product and North America war sie fast neun Jahre lang unter anderem für den Ausbau des Geschäfts im pazifischen Raum, insbesondere in Korea, den Aufbau der Autohandelsplattform eBay Motors oder für die erfolgreiche Integration und Positionierung von PayPal (mit 1 Milliarde Umsatz) verantwortlich. Zuletzt leitete sie die Restrukturierung von eBay Marketplaces.  

Zum Verantwortungsbereich von Tilenius bei Google gehören künftig alle Commerce-Aktivitäten wie das Bezahlsystem Google Checkout, die Google Produktsuche oder kleine E-Commerce-Aktivitäten. Welche Pläne im Bereich E-Commerce verfolgt, ist nicht ganz klar. Bislang führte E-Commerce eher ein Schattendasein bei Google. Die in ‘Google Product Search’ umbenannte Produktsuchmaschine Froogle oder das Bezahlsystem Checkout spielen eine wichtige strategische Rolle, kommen aber nicht auf einen signifikanten Marktanteil gegenüber den jeweiligen Marktführern.

Der Auftrag von Tilenius dürfte sicherlich lauten, dass dümpelnde E-Commerce-Geschäft nun endlich ans Laufen zu bringen. Der Wechsel von Tilenius dürfte bei einigen E-Commerce-Anbieter Nervosität auslösen. Denn viele von ihnen bekommen den Großteil ihres Traffics über Google, einerseits durch die Suche und andererseits durch die Google Ads. eBay beispielsweise soll den Großteil seiner Zugriffe über Google erhalten und ist zugleich auch einer der größten Werbetreibenden bei Google.

 

Februar 17, 2010   3 Comments

Brain Drain: Top-Googler verläßt Google und geht zu AOL

Der Brain Drain geht weiter. Mal wieder verläßt ein Mitglied des erweiterten Führungskreises den Internetriesen. Diesmal geht es um David Eun, seines Zeichens Vice President Strategic Partnerships. …mehr

Februar 6, 2010   1 Comment