Die Strategien und Taktiken des Internetgiganten

Google beantragt neues Patent zu Video-Werbung

Unter der Nummer 20100125871 hat Google ein Patent unter dem unscheinbaren Titel “Video Play Through Rates” beantragt. Dabei geht es um nicht weniger als um das Konzept der Distribution von Video-Werbung – also ein zentraler Baustein der Werbestrategie von Google. Der Kern des Patents ist im folgenden Originalabsatz beschrieben:

A request for video advertisements is received and video advertisements that can be provided in response to the request are identified. Performance features associated with the video advertisements are identified and are provided as input to a video advertisement performance model trained to estimate a play through rate for each of the video advertisements. The video advertisements are ranked based on the estimated play through rates for the video advertisements provided by the video advertisement performance model, and one or more video advertisements are provided in response to the request according to the ranking of the video advertisements.

In der untenstehenden Darstellung ist das zugrunde liegende Konzept dargestellt. Zentraler Baustein ist das Modul 202 (Machine Learning Engine). Es führt Regressionsanalysen von Datenbeständen durch, um das “Predictive Model” (206) zu trainieren. Ziel ist die Analyse und Bewertung so genannter “Video Ad Quality Scores” über verschiedene Algorithmen, die im Modul 202 hinterlegt sind. Die “Prediction Engine” (212) kann das Predictive Model mit den Features Daten (210) anwenden, um einem Video einem Qualitätswert auf der Grundlage eines oder mehrerer Vergelichsvideos zu vergeben. Die Auswahl der passenden Werbung zum Video erfolgt dann durch die so genannte Ad Selection Engine (214). Sie sortiert die Video-Werbung aufgrund der vorhergesagten “Play Through Rate” (vergleichbar zur Click-Thru-Rate bei Display-Werbung). Diese Werte werden wiederum einem Video zugeordnet und durchlaufen den Prozess neu. Einerseits dienen diese Informationen als Referenzwerte für andere Videos, andererseits können durch eine neue Iteratioschleife die Werte wiederum über Poolvergleiche optimiert werden. Die Genauigkeit des “Video Ad Quality Scores” ist ein entscheidender Faktor für die Genauigkeit der Werbeplatzierung (Die komplette Beschreibung findet sich hier).

Mai 21, 2010   6 Comments

Google will Werbung in Status Messages patentieren / mittels Aardvark in Facebook und Twitter

Unter der Nummer 20100088180 hat Google einen Patentantrag für “Online Word-of-Mouth Marketing of a Web Service Using Personalized Invitations via a Status Messaging Service” gestellt. Damit könnte der Interntgigant in die Echtzeit-Werbung in Status-Meldungen in sozialen Netzwerken vordringen. Die im Patentantrag beschriebene Anwendung zielt explizit auf Dienste wie Aardvark (kürzlich von Google übernommen) und die Integration in Twitter oder Facebook… (siehe Abbildungen unten):

A status messaging service is used as an online channel for indirect messaging in a word-of-mouth marketing campaign. A user of a web service is prompted to endorse the web service to the user’s friends or other connections by submitting a status message to one or more status messaging services to which the user belongs. The status message contains an endorsement of the web service and may further contain a link to a personal invitation page for the web service. By submitting the status message to a status messaging service, the endorsement contained therein is then communicated to the user’s connections in the status messaging service.

Abbildungen aus Patentantrag:

April 11, 2010   27 Comments

Google stellt Patentantrag für webbasierte CRM- und Sales-Anwendung

Anfang März hat Google unter der Bezeichnung “Modular Workflow Management” einen Patentantrag für ein Kundenbeziehungs (CRM)- und Salesmanagement-System (Pat.-No. 20100057628) gestellt. Die in dem Antrag beschriebene Anwendung ist dabei webbasiert und modular aufgebaut. Nutzer können aus einem Portfolio von Widgets bzw. Funktionsmodulen wählen und sich so ihre individuelle Arbeitsoberfläche gestalten. Das Patent sagt leider nichts darüber aus, ob und wie Google das beschriebene Patent einsetzen wird oder will. Grundsätzlich gibt es hier drei verschiedene Möglichkeiten:

  1. Google wird das System nutzen, damit seine eigenen Vertriebs- und Key Account eine passende Anwendung zur Verfügung haben.
  2. Man wird die CRM-Funktion in die Werbeplattform integrieren und Nutzern dadurch eine zusätzliche Anwendung zur Verfügung stellen. Zumal Google im Oktober 2009 unter der Nummer 20090265312 ein Lead Management zum Patent angemeldet hat, mit dem Kontaktanfragen potenzieller Kunden erfasst und verarbeitet werden können. Also eine passende Ergänzung zum neuen Patentantrag.
  3. Man stellt eine entsprechende Anwendung unter den Google Apps allen Nutzern zur Verfügung.

Schwer zu beurteilen, welche dieser drei Optionen Google im Sinn hat. Oder vielleicht gar alle drei. Die Optionen 1 und 3 halten wir im Vergleich zur Option 2 die weniger wahrscheinlichen Varianten. Für die Option 1 könnte man eine interne Lösung nutzen und müsste nicht einen solchen Patentaufwand durchführen. Die Option 3 wäre sicherlich interessant, allerdings können Spezialisten wie Salesforce.com diese Art CRM-System deutlich besser und umfangreicher anbieten – auch über den neuen Google Apps Marketplace.

Daher halten wir die Option 2 für die wahrscheinliche Variante. Google arbeitet (angeblich) seit längerem an Anzeigen auf der Grundlage des CPA-Modells, als Preis-pro-Aktion. Zwar hat man einen ersten Versuch Mitte 2008 eingestellt, aber CPA-Modelle dürften in den kommenden Jahre ein wichtige Rolle bei der Online-Werbung einnehmen. Daher dürfte Google dieses Thema nicht ignorieren. Eine CRM-Lösung im Kontext von CPA-Anzeigen würde durchaus Sinn machen und in die bisherige Strategie von Google passen. Google hat eine Vielzahl kleiner und mittelgroßer Werbetreibende, von denen sicherlich ein großer Anteil über kein Lead Management und CRM-System für Anfragen über CPA-Werbung verfügt bzw. wo die Einführung zu teuer wäre. Unsere These: Google wird neben dem CPA-Modell direkt eine Anwendung als Bestandteil der Werbeplattform anbieten, mit der Werbetreibende ihre “Aktionen” tracken und managen können.

März 24, 2010   7 Comments

Apple rüstet weiter im Patentkrieg – 3.000 Patente in 10 Jahren

Die Bedeutung von Patenten im Wettbewerb um die Vorherrschaft bei mobilen Endgeräten und -diensten ist hinlänglich bekannt. In einer Analyse des Research der Deutschen Bank wurde nun ein Vergleich der reinen Anzahl an Patenten der letzten zehn Jahre vorgenommen. Laut den Daten des amerikanischen Patentamts hat Apple in diesem Zeitraum knapp über 3.000 Patente angemeldet, Google hat im gleichen Zeitraum 316 und der im aktuellen Patentstreit beklagte taiwanesische Hersteller hat nur 58 Patente angemeldet. Zwar dürften nicht alle Patente in einem direkten Wettbewerb zueinander stehen, aber die reine Anzahl an Patentanmeldungen und auch der zugeteilten Patente zeigt, dass Apple die Bedeutung und Rolle von Patenten im globalen Wettbewerb deutlich eher erkannt und intensiver verfolgt hat als manch anderer Wettbewerber. Die Grafik unten zeigt zudem, dass kurz vor und nach der Einführung des iPhone, die Anzahl der angemeldeten Patent signifikant zugenommen hat. Apple hat bereits in den ersten zweieinhalb Monaten des Jahres 2010 über 100 Patente angemeldet. Google, die auch nicht untätig sind, kommen gerade mal auf ein Drittel dieses Wertes.

März 10, 2010   8 Comments

Verwirrender Patentkrieg bei mobilen Endgeräten – Jeder scheint jeden zu verklagen

Nachdem Apple wegen einer angeblichen Verletzung verschiedener Patente im Bereich berührungsempfindlicher Displays den Nexus One-Hersteller HTC verklagt hat, scheint es so, als würde sich die halbe Branche der Endgeräte-Hersteller untereinander in einem Patentkrieg befinden. Der Bits-Blog der New York Times hat sich die Mühe gemacht, nur die aktuellen Verfahren der Hersteller untereinander zu visualisieren. Heraus gekommen ist eine interessante Grafik, wer sich gerade mit wem bekriegt (siehe unten). Auffallend ist, dass alle großen Spieler – bis auf Microsoft, Palm und bislang Google – irgendwie mit von der Partie sind. Da freuen sich die Anwälte über kräftige Honorare!

Quelle: New York Times

März 4, 2010   9 Comments