Die Strategien und Taktiken des Internetgiganten

Google steht kurz vor Einführung von Sprachtelefonie

Mit der Übernahme von Grand Central hat Google einen umfangreichen Telefon-Management-Dienst übernommen und diesen zu Google Voice mit zusätzlichen Funktionen weiter ausgebaut. Grand Central war allerdings kein Sprachdienst, sondern ein reiner Management-Dienst. Es fehlte die Möglichkeit zu telefonieren. Google hat diese Lücke durch die Übernahme von Gizmo5 geschlossen. Durch eine Integration der Technologie von Gizmo5 in Google Voice dringt Google in Richtung Sprachtelefonie vor. Wie der Blog Techcrunch berichtet, läuft derzeit ein Google-interner Feldversuch, die neue Technologie zu testen. Daher kann man annehmen, dass eine Markteinführung von Sprachtelefonie kurz bevorsteht.

Die Tatsache, dass Google in das Segment der Sprachtelefonie eintritt, war nach den beiden Übernahmen eigentlich klar. Die große Frage ist allerdings, in welcher Art und Weise Google dies machen wird?! Es scheint so, als wird Google Voice als umfangreicher web-basierter Dienst alle Features und Funktionen beinhalten. Dies hat den Vorteil, dass man sein Telefonmanagement von jedem Internet-fähigen Endgerät aus bedienen kann, sei es ein Smartphone, ein PC oder Laptop oder sogar vom Fernseher aus. Die Intergration der Telefoniefunktion erfolgt dabei über eine Applikation auf dem Desktop des Nutzers, von dem aus er ganz normale Gespräche ins Festnetz oder auf Mobiltelefone führen kann. Also ein ähnlicher Ansatz wie bei Skype. Die “Intelligenz” bzw. Funktionalität dürfte allerdings größtenteils im Webinterface von Google Voice direkt liegen. Dieses Konstrukt ist clever, da man die Vorteile des Internet und der Nutzung eines Endgeräts sinnvoll mit einander verbindet.

Bleibt nur noch die Frage noch dem Geschäftsmodell? Nimmt man Skype als Vorbild, so kosten Gespräche ins herkömmliche Telefonnetz einen geringen Betrag. Uns würde es nicht wundern, wenn Google zumindest einen Teil der Nutzung pro Monat kostenlos anbieten würde. Wobei eine Einführung zunächst in den USA auf der Hand liegt. Dies wäre für Google ein interessanter Weg, noch mehr Nutzer über ein Google-Konto noch enger an sich zu binden. Weitere Perspektiven liegen sicherlich in der Integration von Google Voice bzw. der Sprachtelefonie in andere Produkte und Dienstleistungen. So dürften Anzeigen mit Call-Back-Funktionen ausgestattet werden oder ein Telefoniepakte in die Google Apps integriert werden; gerade für kleinere Firmen wäre dies interessant. Man bekäme bei Google alles aus einer Hand – Email, Telefonie, Büroanwendungen und vieles mehr. Einfach in der Handhabung und günstig im Preis. Wir sind jedenfalls gespannt, wie das Telefonieangebot letztlich aussehen wird…

April 8, 2010   15 Comments

Google stellt iPhone-Mail-Client reMail als Open Source bereit

Am 17. Februar2010 hat Google das Start-Up reMail übernommen. Keine zwei Monate später stellt Google den iPhone-Mail-Client der Entwicklerszene als Open Source zur Verfügung. Das Interessante hierbei ist, dass klar das Ziel der Übernahme von reMail durch Google zum Vorschein kommt. Nämlich die Fähigkeiten und das Wissen der reMail-Entwickler, allen voran Gabor Cselle, zu bekommen. Dies ist in der Ankündigung (siehe hier und Zitat unten) klar zu erkennen.

Last month, we announced reMail’s acquisition by Google. Since we’ll be focusing on other projects at Google, we also decided to remove reMail from the App Store. Existing users were able to keep using it because reMail is a client-only application. Our announcement caused a lot of interest in reMail’s product, and we looked at a number of options to make it available in some form. We decided that the best option was to open source the code, which is now available on Google Code.

März 7, 2010   2 Comments

5 Jahre YouTube – durchgehalten Dank Google

Die Domain youtube.com wurde von Chad Hurley am 14. Februar 2005 registriert. Seitdem ist YouTube zum unangefochtenen Marktführer in Sachen Online-Videos herangewachsen und konnte nur durch die großzügigen Alimentierungen der Mutter Google überleben. YouTube verteilt rund eine Milliarde Videos täglich und ist auf einem guten Weg, die Gewinnschwelle endlich zu erreichen. YouTube gehört zu den Top10-Webseiten. Laut den Zahlen von Alexa hat sich YouTube seit drei Jahren immer unter den Top10 befunden und belegt derzeit den vierten Platz und ist nach der Anzahl der Suchanfragen sogar die zweitgrößte Suchmaschine hinter Google. Bis dato hat YouTube Google sicherlich zwischen 4-5 Milliarden Dollar gekostet. Zunächst wären hier der Kaufpreis von 1,6 Milliarden zu sehen. Verschiedene Analysten schätzen allein die Kosten für die Bandbreite auf 1,0 bis 1,5 Millionen Dollar täglich. Ohne die Kosten für Hardware, Entwicklunge, etc. – in Summe ein stolzes Investment. Dem gegenüber stehen Einnahmen, die die Kosten bislang nicht decken. Obwohl Google-Boss Eric Schmidt angekündigt hat, dass YouTube die Gewinnschwelle in Kürze erreichen wird.

Für Google hat YouTube eine immer wichtigere Bedeutung bekommen. Zunächst wollte man eine Refinanzierung über Paid Content erreichen. Aber der Widerstand der großen Medienhäuser war zu groß und sie wollten mit Plattformen wie Hulu.com ihr eigenes Süppchen kochen. Google hat – aus unserer Sicht – einen interessanten Strategieschwenk vollzogen. YouTube soll nicht irgendeine Videoportal sein, sondern die grundlegende Infrastruktur zur Verteilung von Videoinhalten über das Internet. Dazu verordnete Google YouTube eine radikale Dominazstrategie, die einen langen finanziellen Atem benötigte, aber langsam die Früchte trägt. In einem Blog-Eintrag wurde dies eher beiläufig und etwas kryptisch verkündet. YouTube wurde zum Video-Baukasten für jedermann gemacht. Jeder darf sich eine eigene Videoseite mit YouTube-Hilfe bauen – und sogar Werbeeinnahmen dafür kassieren. Damit ist YouTube längst keine Webseite im eigentlichen Sinne mehr, sondern eine Plattform, ein im Sinne des Wortes viral wirkender Verteiler von Inhalten. Jeder, der möchte, kann YouTube fast komplett auf seiner eigenen Seite nachbauen – ohne dass die Nutzer seiner Seite jemals das Mutterangebot besuchen müssen. Und: Er darf Werbung drumherum schalten.

Das Volumen von YouTube bläht sich dadurch immer weiter auf. Konkurrenten haben dem kaum etwas gegenüber zu setzen. YouTube hat die technologische Plattform, YouTube hat die Reichweite und YouTube hat Instrumente, um mit Online-Videos Geld zu verdienen. Google arbeitet intensiv an seiner Strategie für die Display-Ads und YouTube besitzt dabei eine zentrale Bedeutung. Ziel ist vereinfacht gesagt, Werbung im Kontext von Online-Videos für neuen Kundengruppen attraktiver zu machen. Google hat lange mit verschiedenen Werbeformen experimentiert und nach und nach kristallisieren sich hier erfolgreichen Weg heraus. Die Früchte seiner Dominanz-Strategie wird Google in den kommenden Jahren über das fast schon bestehende natürliche Monopol von YouTube zu ernten wissen. Der lange Atem wird sich (wahrscheinlich) über kontinuierlich steigende Werbeeinnahmen aus der Display-Werbung und steigende Profitabiltät auszahlen. Das Potenzial ist noch groß. Derzeit generiert YouTube seine Werbeeinnahmen mit nur 14% der verbreiteten Videos. Über YouTube finden (fast) alle Vermarkter ihr Thema und ihre Zielgruppe. Und das mit den bekannten Wertversprechen bei der Preissetzung oder erfolgsabhängigen Bezahlung.

Februar 18, 2010   9 Comments

Dilettantismus oder hat Google ein ganz anderes Problem?!

In den letzten Monaten hat Google eine Reihe neuer Produkte mit viel Tamtam und medialer Aufmerksamkeit präsentiert – vor allem Google Wave, das Smartphone Nexus One oder letzte Woche Google Buzz. Und irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass diese Produkte im Markt nicht so richtig ankommen. Schauen wir zunächst auf Google Wave. Als Vision für Kollaboration in Echtzeit gestartet, soll Google Wave Email, Foren, Wikis, Mailinglisten, Blogs und Chats mittelfristig überflüssig machen oder zumindest weitestgehend integrieren. Nach dem ersten Hype, wo man soviele Einladungen an “ausgewählte” Nutzer verteilt, so dass diese über Twitter wie Sauerbier verschenkt wurden und kaum jemand sie noch haben wollte, hat in Bezug auf Google Wave Ernüchterung breit gemacht. Es hat den Anschein, als würden bis auf wenige Enthusiasten die Masse der Nutzer Google Wave ignorieren. Das Produkt ist damit noch kein Flop, aber die hohen Erwartungen wurden sicherlich nicht erfüllt. Vielleicht war das Konzept einfach zu komplex oder zu innovativ.

Das zweite Problemkind dürfte sicherlich auch das Nexus One sein. Glaubt man verschiedenen Experten, so lagen die Verkaufszahlen im ersten Monat bei rund 80.000 Stück. Diese Zahl spiegelt allerdings nicht die Möglichkeiten oder die Qualität des Nexus One wider, sondern der sehr eigenwillige Vermarktungsansatz über das Internet wurde von vielen potenziellen Käufern nicht angenommen. Dazu kamen noch grobe handwerkliche Fehler, wie ein miserabler Kundenservice oder astronomische Termintion Fees, als Gebühren für die Rückgabe eines Gerätes bei Nichtgefallen oder einer frühzeitigen Rückgabe vor Vertragsende. Es scheint so, als ob die Verantwortlichen bei Google alle Gesetzmäßigkeiten bei Konsumgüterelektronik in den Wind schlugen und einen besseren Weg gehen wollten. Man muss leider konstatieren, dass Google die Vermarktung von dieser Art Produkt nur unzureichend versteht. Viele andere Unternehmen wie Apple, Motorola oder auch Verizon haben gezeigt, wie man neue Smartphones erfolgreich launcht und die Geräte an die Kunden bringt – auch neuartige Geräte ohne große Installed Base. Hier wird Google sicherlich noch weiter nachbessern müssen. Erstes Zeichen war eine erste Preissenkung von 100 Dollar für das Nexus One recht kurz nach dem Start. Etwas, was man bei Apple noch nie beobachten konnte.

Als weiteres Problemkind stellt sich so langsam auch Googles Antwort auf den Erfolg der sozialen Netzwerk namens Google Buzz heraus. Google hat wenige Tage nach der Produktvorstellung die Privatsphäre-Einstellungen erneut überarbeiten müssen. Grund dafür sind anhaltende und massive Beschwerden von Nutzern. Die Kritik richtet unter anderem gegen eine Voreinstellung für Personen, deren Statusmeldungen automatisch angezeigt werden. Künftig unterbreitet Google Buzz nur noch Vorschläge für Kontakte, mit denen ein Nutzer regelmäßig per E-Mail oder Chat kommuniziert. Mit Buzz will Google um den Werbemarkt der Zukunft kämpfen, der sich nach Ansicht vieler Fachleute in soziale Netzwerke verlagert – wobei der Beweis noch schuldig blieb. Auch die Erfolgsaussichten für Google Buzz sind alles andere als rosig. Buzz erweitert im Grunde Google Mail um Social-Networking-Funktionen. Von der Idee her nicht dumm, aber kommt Google mit diesen Funktionen nicht ein wenig spät? Oder ist die Integration in Gmail ein entscheidender Denkfehler? Das Problem für Google könnte gerade sein, dass Google Mail für nur die wenigsten Nutzer den Social Graph wirklich hinreichend und tatsächlich abbildet. Die meisten Nutzer haben ihr digitales Freundesnetzwerk längst auf einem der vielen sozialen Netzwerke geknüpft und nutzen E-Mail nur noch als eine Art einfaches Kommunikationsinstrument.

In Summe fällt eines auf: Trotz der vollmundigen Konzepte scheint Google ein grundsätzliches Problem mit dem Erfolg neuer Produkte zu haben. Der Grund ist schwierig zu erklären. Man ignoriert teilweise bestimmte Marktentwicklungen oder Nutzergewohnheiten, man möchte Nutzungsverhalten oder Marktstrukturen massiv verändern. Im Mittelpunkt all dieser neuen Produkte steht immer ein offenes Internet. Ein offenes Internet ist DER Garant für das erfolgreiche Geschäftsmodell von Google. Man bekämpft massiv geschlossene Ansätze wie Facebook oder den Trend zu Applikationen. Ein Internet im Internet (Facebook) oder ein Internet der Apps (Apple) ist die größte Bedrohung für Google. Es scheint, man ist gefangen zwischen den allgemeinen Entwicklungen, die ganz und gar nicht zu der Philosophie des Giganten aus Mountain View passen möchten. Neue Produkte werden also der eigenen Philosophie gemäß angelegt. Treffen damit aber nicht so recht den expliziten oder impliziten Geschmack der Masse der Nutzer. Hinzu kommt noch die Google’sche Arroganz, die Welt besser verstehen zu wollen als andere – die dann leider auch zu massiven Flops bei der Vermarktung und Positionierung neuer Produkte führt. Wie Google dieses Problem lösen wird, wird interessant sein zu beobachten…

Februar 16, 2010   3 Comments

Ist Knol der nächste Flop von Google?

Mit viel Tamtam blies Google im Juli 2008 zum Angriff auf Wikipedia. Man veröffentlicht sein Wissensportal Knol in einer Beta-Version, nachdem es bereits im Dezember 2007 angekündigt wurde. Google setzt bei Knol auf deutliche Unterschiede zu Wikipedia: subjektiv statt objektiv, Umsatzbeteiligung für die Autoren statt Kostenloses Crowdsourcing. Weiterer Unterschied: Die Autoren sind anders als bei Wikipedia namentlich bekannt und nicht anonym. Der Autor behält zudem die Hoheit über seinen Artikel. Autoren entscheiden selbst, ob andere Knol-Mitglieder ihre Artikel bearbeiten dürfen. Knol sollte alle Schwachstellen von Wikipedia ausnutzen. Aber bislang ist der Erfolg von Knol eher bescheiden. Die Analyse nach Google Insight for Search (siehe Grafik 1) zeigt das Interesse an Knol recht deutlich. Der erste Peak ist die Ankündigung des Dienstes im Jahr 2007, der zweite und höchste Peak war der offizielle Produktlaunch. Danach ließ das Interesse radikal ab. Auch der direkte Vergleich mit Wikipedia zeigt, den dramatischen Unterschied zwischen Wikipedia und Knol bei der weltweiten Suche (siehe Grafik 2).

Fachleute kritisierten nach dem Start von Knol, dass die Inhalte vieler Artikel deutlich schlechter sei als die von Wikipedia und dass es bei weitem weniger frequentiert würde. Nach dem sehr mäßigen Start, wurde gemutmaßt, dass Knol kurz davor steht eingestellt zu werden. Zwei Tage nachdem Google im Januar 2009 sechs seiner Projekte einstellte, trat Google auf seinem offiziellen Blog neuen Gerüchten entgegen, dass Knol geschlossen werde. Anlass war die Veröffentlichung des 100.000sten Beitrags auf Knol. Wikipedia verfügt fast über acht Millionen Beiträge in verschiedenen Sprachen, davon allein 3,4 Millionen in Englisch und 1 Million in Deutsch. Laut dem Analysedienst Alexa.com ist Wikipedia die sechst meist besuchte Seite im Internet – also eine Top-Adresse. Die Marktforscher von Nielsen (Link) haben festgestellt, dass Wikipedia zwischen 2003 und 2008 um 8.000% gestiegen ist – ein sehr großer Anteil der Nutzer kommt dabei direkt über die Google Suchmaschine.

Es geht in der Diskussion um Knol versus Wikipedia nicht darum, welches das bessere Konzept ist oder nicht, wo die Artikel eine bessere Qualität haben oder nicht, sondern letztlich eine Frage der Werbeumsätze. Aus Sicht von Google ist das Thema Wissen ein blinder Fleck im Google’schen Werbeimperium und trotz des große Erfolgs immer noch werbefrei und über Spenden finanziert. Dies soll auch so bleiben. Knol soll als Wettbewerber mit einem alternativen Konzept einen Großteil des Traffic auf seine Seiten ziehen, damit dieser vom Google-Werbesystem vermarktet werden kann. Derzeit ist der Erfolg noch sehr überschaubar. Sowohl von der Anzahl der Beiträge, als auch von der Popularität bei den Nutzern. Wikipedia wird auf absehbare Zeit seine dominierende Stellung bei den Wissensportalen behaupten. Mit der Entwicklung kann man bei Google nicht wirklich zufrieden sein. Im Vergleich zu Wikipedia kann man Knol (trotz der Unterschiede) durchaus als Flop bezeichnen.

Februar 15, 2010   11 Comments